Donnerstag, 24.09.2009
Wahlkampf
Man stelle sich vor in Berlin gäbe es eine große Polizeischule, die regelmäßig zur sportlichen Betätigung in großen Gruppen durch die Stadt joggt. Eingeteilt in Blöcke mit verschieden-farbigen Trikots, Armeestil, alle zukünftigen Polizisten im Gleichschritt, laufen sie durch Wohngebiete, unter Balkons vorbei und singen dabei aus vollem Hals. Jetzt stehen die Wahlen bevor und da hat sich irgendein Wahlberater etwas Schlaues ausgedacht. An einem Mittwochmorgen um sieben Uhr liegt man noch nichts ahnend im Bett und wird dann plötzlich geweckt von dem laut und tief schallenden Polizistenchor: „STEINIIIH HAT DER POLIZEI GESCHENKE GEMACHT! STEINIIIHH!“
Ja, Berlin ist nicht Abidjan. Aber auch in der Côte d’Ivoire soll 2009 gewählt werden und hier gibt es diese Polizistenschule mit ihren Joggern. Der opponierende Präsidentschaftskandidat heißt nicht Frank-Walter Steinmeyer, sondern Alassane Dramane Ouattara, kurz ADO. Und deshalb wurde ich gestern Morgen tatsächlich jä aus dem Schlaf gerissen von der unter meinem Fenster vorbei schmetternden Gendarmerie: „ADOOOOHH A DONNE CADEAUX A LA GENDARMERIE! ADOOHHH!“. Ist das geschickt inszenierter Wahlkampf oder doch schon...?

Ja, Berlin ist nicht Abidjan. Aber auch in der Côte d’Ivoire soll 2009 gewählt werden und hier gibt es diese Polizistenschule mit ihren Joggern. Der opponierende Präsidentschaftskandidat heißt nicht Frank-Walter Steinmeyer, sondern Alassane Dramane Ouattara, kurz ADO. Und deshalb wurde ich gestern Morgen tatsächlich jä aus dem Schlaf gerissen von der unter meinem Fenster vorbei schmetternden Gendarmerie: „ADOOOOHH A DONNE CADEAUX A LA GENDARMERIE! ADOOHHH!“. Ist das geschickt inszenierter Wahlkampf oder doch schon...?
Samstag, 14.02.2009
Johannesburg
Ende Januar war ich in Johannesburg. Darüber ist nicht viel zu sagen. Die Stadt ist groß und wirkt noch amerikanischer als Nairobi, das Klima angenehm, aber bei Regen eher kalt. Melville ist ein nettes Viertel mit einer Reihe Bars, Cafés und kleinen Läden (wann war ich davor zuletzt in einem Antiquariat?) Das Hotel war auch nett, mit nur neun Zimmern, meins das größte (Ausmaße eines geräumigen ein-Zimmer-Apartements und Fenster zu drei (!) Seiten). Das Goethe-Institut dort, ist groß und eigentlich schön, aber dafür schlecht gelegen und ohne Besucher. Am Interessantesten war unser kleiner Ausflug nach Soweto, das ganz anders war als gedacht, mich ein bisschen an englische Arbeitersiedlungen erinnerte und wo man sehr wohl die Straße entlang gehen kann.
Harmatan
Januar 2009. In Abidjan ist es kalt. Im Radio wird die Frage gestellt ob man sich bei den Temperaturen überhaupt noch duschen sollte (die meisten Ivorer haben kein heißes Wasser zu Hause). Und es ist so trocken. Ja Messieurs, da sollten auch sie sich eincremen. Sonst könnten einem beim Lachen die Lippen aufspringen. Ist das nicht ein schreckliches Wetter? Das ist der Harmatan. Der kalte, staubige Wind aus dem Norden. Da muss man sich ganz eng zusammen kuscheln, damit man nicht friert. So ohne Heizung, bei Tiefsttemperaturen bis 15° Celsius.
Ich muss doch Lachen und dabei springen mir nicht die Lippen auf. Obwohl es stimmt, dass die Luft trocken ist. Ja, ich creme mich auch ein. Und was zu Beginn noch eine angenehme kühle Brise war, hat inzwischen die Luft mit feinem Sand aufgeladen, so dass der Himmel vor der Sonne ganz diesig ist. Nachts ohne Klimaanlage schlafen, dabei habe ich mich doch so an das leise Summen gewöhnt. Ach, ich freu mich doch wieder auf die feuchte tropische Hitze.
Ich muss doch Lachen und dabei springen mir nicht die Lippen auf. Obwohl es stimmt, dass die Luft trocken ist. Ja, ich creme mich auch ein. Und was zu Beginn noch eine angenehme kühle Brise war, hat inzwischen die Luft mit feinem Sand aufgeladen, so dass der Himmel vor der Sonne ganz diesig ist. Nachts ohne Klimaanlage schlafen, dabei habe ich mich doch so an das leise Summen gewöhnt. Ach, ich freu mich doch wieder auf die feuchte tropische Hitze.
Bingerville
Ach ja, Bingerville. Sonntagsstadt. Botanischer Garten mit humpelnder Führung, Alloco unter alten Bäumen, Museum mit Holzköpfen, kleines Lagunenlokal mit Sonnenuntergang.
Jambo Kenia! - Teil 1
Oktober in Kenia: 1 Woche Urlaub, 3 Wochen Seminar. Mombasa - Tiwi Beach - Tsavo East Nationalpark - Nairoooobiiiiiii. Suaheli Kultur, indischer Ozean, Safari, Fast Food, Hotelbuffet und Deutschunterricht. Und Obama.

Montag, 08.09.2008
Malaria
Sechseinhalb Monate habe ich den Mücken standgehalten, letzten Mittwoch hatten sie mich. Erst Fieber und extremer Schüttelfrost, am nächsten Tag zur Ärztin. Die sagte nur: „Da brauchen Sie gar keinen Test zu machen, Sie haben Malaria.“ (Wer keine Krankengeschichten mag, sollte hier besser nicht weiterlesen.)
Montag, 25.08.2008
Au village: Tienkoikro
Tienkoikro ist ein Dorf im südlichsten Zipfel der Zanzan Region, 25 km hinter Agnibilekrou, 15 km von der ghanaischen Grenze entfernt. Auf dem Weg von Abidjan fährt man durch Akoupé, Adzopé, Abengouro und Agnibilekrou. Die Ethnie, zu der die Dorfbewohner gehören nennt sich Agni. Die ethnische Gruppe heißt Akan. Seit ich in Tienkoikro war, ist mein zweiter Name Akoua, weil ich an einem Mittwoch geboren wurde.


Montag, 02.06.2008
Zwei Welten
Ist das wahr, man hört gar nichts mehr von mir? Dann vielleicht deshalb, weil hier einerseits auch der Alltag eingekehrt ist und ich andererseits so viele Dinge zu verarbeiten habe, das es mir schwer fällt irgendwo anzufangen. Das krasseste sind wohl diese extrem unterschiedlichen Welten in denen ich mich hier bewege.
Mittwoch, 14.05.2008
Fußball
Dieses Wochenende beim Fußball: Es gab ein Mini-Tournier gesponsort von einem großen Hafenunternehmen (Boloré). Vier Länder die über den Hafen Abidjan bedient werden: Côte d’Ivoire, Burkina Faso, Mali und Niger mit ihren U 20-Nationalmannschaften. Sonntag war Finale, Côte d’Ivoire vs. Mali. Ich war mit Macline und David da, die das Spiel fotografierten. Ohne Sponsor-T-Shirt durfte ich nicht rein, also bekam ich MALI. Zuerst saß ich auch im entsprechenden Fanblock und fand es ganz toll: Trommeln, tanzen, singen, nackte, bemalte Männer und lauter Ivorer, die meine Mali-Freunde wurden (richtige Malinesen gab es nicht so viele). Nach etwa drei Stunden warten auf den Spielbeginn fand ich die Trommeln, Tröten und die bare Betontribüne ohne Rückenlehne aber nicht mehr so super und wechselte auf die wesentlich bequemere Pressetribüne mit Plastikstühlen. Wenn die Atmosphäre hier auch vorher nicht ganz so ausgelassen war wie in den Fanblocks, so wurde es während des Spiels doch auch sehr aufregend – oder aufgeregt. Um mich herum saßen mehrere Radiojournalisten, die Spielbeschreibungen und Kommentare in ihre Handys brüllten. Da kann man gleich viel besser mitfiebern. Und wer hat gewonnen? MALI natürlich. 1:0. Ich bekam viele Glückwünsche. 
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Strand und Zöpfe
Vorletzte Woche in Bassam am Strand. Wie man sieht habe ich mich überreden lassen mir Zöpfe flechten zu lassen. David fand es ganz toll und sagte ich sei jetzt eine Euro-Afrikanerin. Meine ivorischen Kollegen waren derselben Meinung. Ich fand es etwas ungewohnt, so leicht wurmartig auf dem Kopf. Zumindest war es sehr angenehm, weil auf diese Weise viel Luft an die Kopfhaut kommt und man nicht so schwitzt. Hat aber nur drei Tage gehalten, weil es nicht besonders eng geflochten war und europäische Haare sich doch schlechter eignen als afrikanische. Vielleicht mach ich es aber trotzdem noch mal. Oder nur vorne?